Veteranen- und Reservistenkameradschaft Obermenzing e.V.

                                    gegr. 1910, gemeinnützig anerkannter Verein,

                                  Mitglied im Bayerischen Soldatenbund BSB 1874 e.V.

Aktualisiert am       06.10.2017

Todesmarsch durchs Würmtal April 1945

Zehntausende von Häftlingen des KZ Dachau und seiner Außenlager wurden Ende April 1945 in Richtung Alpen getrieben. Viele starben auf den Märschen und Bahntransporten von Dachau, Kaufering/Landsberg, Mühldorf, München-Allach und München-Riem in Richtung Alpen.

 

Entlang der Strecke des "Todesmarsches von Dachau" und zwei weiteren Evakuierungsmärschen von Häftlingen der Außenlager Allach und Kaufering haben die Würmtal-Gemeinden von Dachau bis Starnberg Mahnmale errichtet, die an dieses Verbrechen in den letzten Kriegstagen erinnern. Solche Denkmale stehen mittlerweile in allen Orten zwischen Dachau und Waakirchen, dem Ort der Befreiung. Eines steht in Jerusalem.

 

Gefangene auf dem Todesmarsch

Die Wege der Todesmärsche von Dachau und Landsberg nach Süden

Ein Massengrab am Wegesrand

Die Todesmarschdenkmale in Erinnerung an die schreckliche Vergangenheit

Arbeitssklaven für die "Alpenfestung"?

Auch Reichsführer SS Heinrich Himmler habe Mitte April befohlen, "Deutsche, Russen, Polen und Juden" aus den bayerischen Lagern Flossenbürg, Dachau, Landsberg und Mühldorf "in ein Gebirgstal in Tirol" zu transportieren. Diesen Himmler-Befehl bestätigte SS-Sturmbannführer Fritz Degelow im November 1945 im Rahmen des Dachau-Prozesses.

Es ist historisch belegt, dass Hitler und Himmler in der letzten Kriegsphase die Verlegung von Rüstungs- und Versorgungsbetrieben (z.B. Luftwaffe, Raffinerien) nach Tirol, Salzburg und Steiermark geplant hatten. Die Häftlinge des Außenlagers Ottobrunn (östlich von München), die in der dortigen Luftfahrtforschungsanstalt arbeiteten, mussten am 26. April 1945 in Richtung "Alpenfestung" marschieren. Sie erreichten nur das Voralpengebiet bei Bad Tölz. Möglicherweise waren sie der Häftlingszug, der am 1. Mai noch Wildbad Kreuth - die Grenze zu Tirol - erreichte und dort von US-Truppen befreit wurde.

"Evakuierung" in den Tod

Was auch immer die allerletzten Absichten Hitlers, Himmlers und Kaltenbrunners Ende April 1945 für die jüdischen Häftlinge von Dachau, Kaufering und Mühldorf waren, egal ob erneute Sklavenarbeit im Ötztal oder Massenmord in abgelegenen Seitentälern Tirols, die grausame Wirklichkeit der Fußmärsche und Bahntransporte in Richtung Alpen lässt den Begriff "Evakuierung" als ungeeignet erscheinen.

Der Begriff "Evakuierung" kommt von dem lateinischen Wort vacuum, das "leer" bedeutet. Der Begriff "Evakuierung" meint also "Leerung" oder "Räumung", d.h. durch die Märsche und Bahntransporte sollten die KZ-Lager "geleert", d.h. "geräumt" werden. Der Begriff "Evakuierung" erhielt jedoch in den letzten Kriegsjahren einen Sinn, der für die Häftlingsmärsche nicht zutreffend ist. Mit Beginn der Bombardierung deutscher Städte und dem Vorrücken der alliierten Truppen auf das Reichsgebiet bedeutete "Evakuierung" Rettung und Schutz der deutschen Zivilbevölkerung - z.B. die Verlegung der Schuljugend aus den bombardierten Städten in ländliche Gebiete ("Kinderlandverschickungslager"). Deutsche Behörden evakuierten also deutsche Schulkinder, um sie in Sicherheit zu bringen, um ihr Leben zu retten.

Wurden KZ-Häftlinge von Kaufering und Mühldorf oder der Dachauer Transport vom 26. April 1945 in Marsch gesetzt, um ihr Leben zu retten? Angesichts der hohen Todes- und Mordrate auf diesen Transporten zu Fuß oder per Bahn und der Grausamkeit der SS-Wachen bis zum allerletzten Kriegstag ist der Begriff "Todesmarsch" für dieses düstere Kapitel der deutschen Geschichte zutreffend.


Weitere Info auf der Seite:
www.gz-tm-dachau.de